Sinnsprüche, Splitter
Menschliches (1): Der Mensch ist dort am meisten Tier geblieben, wo er die meisten Haare hat.
Kultur: Menschheitlanger Versuch zur Domestizierung des Zufalls.
Schreibtischtäter: Die über Zeichen gehn.
Selbstauskünfte: Was einer von sich sagt, wird ihm ungern geglaubt, aber gern als Maßstab genommen, an dem er sich fürder messen lassen muß.
Autobiographie: In meiner Jugend habe ich mich sehr für den Geschlechtsverkehr interessiert.
Pflichten (1): Erste Pflicht jedes Intellektuellen ist Verständlichkeit.
Kunst (1): Kunst ist die Fertigkeit, möglichst originell bei anderen Künstlern zu klauen.
Romantik: Gewissheit ist eine romantische Einbildung.
Gesellschaftsfrotteure: Die Perversen, die sich an den Zuständen reiben.
Freiheit (1): Freiheit ist die Illusion, selbst entscheiden zu können.
Ausnahme und Regel: Daß zwei sich lieben ist nicht selten. Daß sie einander lieben hingegen sehr.
Reflexive Selbstliebe: Er wollte sich an ihr küssen.
Gefühlsanatomie: Liebe geht durch den Pansen.
Unwürdige und erniedrigende Berufe (1): Weltempfänger sein.
Niederschreiben: Ist mir von allen kämpferischen Schreibformen die liebste.
Mischpoche: Ich bin das Haar in der Sippe.
Ausdenken, ausbrüten: sich was aushirnen.
Entspanntheit: Seine ungeheure Entspanntheit ward nur noch von seinem Eifer übertroffen, sie zu beteuern.
Zeit (1): Eine Pause ist das, was zwischen zwei Zeitpunkten nicht stattfindet.
Kalendersprüche: Man kann in einem Kalender nicht verewigt sein.
Brotlose Kunst: Die Schwere des Gemüts einer Nation, scheint mir, läßt sich an der Dichte ihres Brotes ablesen. Der Deutschen Brot zB. ist weniger dicht, als das russische, aber dichter, als die Weißbrote der südlichen Nationen.
Deutscher Reim: In Deutschland ossifiziert ein Gedicht allzu schnell zum Gedächt.
Geschichte: Als Witz kann ich sie ernst nehmen. Ob das Heute eine gute Pointe war, beweist das Gelächter, das es morgen auslöst.
Lernen, lernen, lernen!: Die Schule: Lernen, was man wissen soll. Die hohe Schule: Verstehen, was man gelernt hat. Die höchste Schule: Verwerfen, was man verstanden hat. (Das wichtigste daran ist die unvertauschte Reihenfolge.)
Talent (1):Wen die Götter lieben, dem geben sie ein Talent. Wen sie versuchen wollen, dem geben sie zwei. Wen sie vernichten wollen, dem geben sie mehr als zwei. — Und die gänzlich talentlosen? Das sind die glücklichen, die die Götter nicht scheren.
was hat sie den grassen verzaehlt wegen der bllucken?
Bitte?
„Erste Pflicht jedes Intellektuellen ist Verständlichkeit.“ (Ina Eff)
„Erste Pflicht jedes Geistesmenschen ist ‘Unverständlichkeit’.“ (Lyzis)
Gewissheit ist eine romantische Einbildung.
… romantischer jedoch die Gewißheit, daß alles ungewiß ist.
Das ist nicht romantisch, sondern trivial. Trivial und v.a. unfruchtbar und öd. Romantik, im Gegensatz, eignet stets eine schlaffe Üppigkeit; sie ist immer ekelhaft fruchtbarer Wildwuchs.