Bekenntnisse

Joachim Gauck, dagegen!

Es gibt Meinungen, für deren hinterm Berg halten man sich niemals ohrfeigen müssen will. Voilà! Ich bin gegen Joachim Gauck. Dagegen, dass er Bundespräsident wird, dagegen dass er sich um dieses Amt bewirbt, dagegen, dass er sich überhaupt in der Öffentlichkeit herzeigt.

Ich vermeide in der Regel, mich um Tagespolitisches anders zu bekümmern, als kategorisierend. Gegen Gauck mache ich eine Ausnahme. Gauck ist die Fratze der bundesdeutschen Vernunft, wenn sie zum Fanatismus wird. Ich schneide ihm eine Fratze zurück.

Jede Überzeugung hat ihre Fanatiker. Jene, die es damit übertreiben, die das Maß verlieren und in ihrem Eifer von Zweifeln gänzlich unangefochten sind. Sie haben nicht einfach recht in dem was sie tun. Sie haben rechtestens. Testestens. Der Fanatiker ist die am meisten Recht habende Person der Welt.

Wir wissen, wie ein islamistischer Fanatiker auszusehen hat. Man findet sein Paßbild fast täglich in der Zeitung. Wir wissen, wie ein jüdischer Fanatiker aussieht, nämlich wie ein islamistischer Fanatiker mit Hut und Schläfenlocken. Wir haben eine ungefähre Überlieferung, wie die Nazi-Fanatiker ausgesehen haben, aber wir erinnern uns nicht allzu gern; sie haben was von Familie. Wir kennen christliche Fanatiker, Fanatiker der RAF und der 68er Anti-Spiesser-Guerilla, wir kennen die Fanatiker, die mit Stalins Namen auf den Lippen starben, und jene, die es in japanischen Kamikaze-Flugeugen taten. (Geeifert wurde immer. Nicht immer wurde gestorben. Manchmal liess man auch sterben. Wichtig war allein, dass man es mit gutem Gewissen tat.)

Wissen wir aber, wie ein Fanatiker bundesdeutscher Vernunft aussieht? Ein grundguter Vollstrecker des Grundgesetzes? Ein Eiferer des Rechtsstaates? Seit Köhler zurücktreten musste, weil ihm versehentlich die Wahrheit über den Afghanistankrieg rausgerutscht war, wissen wir es wieder. Ach, wir hätten es so gern vergessen!

Die nach ihm benannte Behörde war ja umbenannt worden; der Mann also im Begriff, sich aus dem Gedächtnis zu scheren, wohin er gehört, in den Orcus. Nun ist er wieder da und mit ihm die alten Fragen: Wie muss einer beschaffen sein, um diese Behörde zu repräsentieren und ihr seinen Namen zu leihen? (Überhaupt: Welche Ausschüsse tragen den Namen ihrer Repräsentanten?) Wie kommt einer dazu, sich um diesen Posten zu reissen? Was ist das für eine Sorte Mensch?

Die Antwort liegt auf der Hand und steht ihm ins rechteckige Gesicht geschrieben: Man muss von der protestantischen Unbeirrbarkeit besessen sein, unter allen Umständen Gutes zu tun, koste es, was es wolle. Selbst Fernsehruhm und die Anfeindungen der Bösen und Ewiggestrigen muss man klaglos in Kauf nehmen können. Nur, wer Lichtgestalt sein will, nein, Lichtgestalt ist, kann als Vergelter gehen. Der Erzengel Gabriel ist das Urbild aller Fanatiker.

Durchaus: Vergeltung. Es war klar, ist klar, wird klar bleiben, dass die Gauck-Behörde nie der Herstellung von Gerechtigkeit diente. Ein Dialog zwischen Tätern und Opfern wäre vielleicht möglich gewesen, hätte man Instrumente, wie die Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika geschaffen. Es hat einen Grund, weswegen die TRC, mit deren Hilfe die Verbrechen des Apartheidsregimes ruchbar gemacht werden sollten, ihr Vorbild nicht in der Gauck-Behörde suchte.

Die Gauck-Behörde war ein Vergeltungsinstrument der Sieger und ein Unterdrückungsinstrument gegen die Verlierer. Ihr Wirken war nicht konstruktiv auf die Zukunft, sondern destruktiv auf die Vergangenheit gerichtet. Sie machte aus altem Unrecht neues. Man musste durchdrungen sein, von dem, was heute Rechtsstaatlichkeit heisst, wollte man ihr überzeugt vorstehen. Man muss die Gabriel-Mentalität des gerechten Vergelters haben, um weder aus Hass, wie es das Fräulein Lengsfeld getan hätte, noch aus Macht- und Karrieregeilheit, wie sie das Fräulein Merkel umtreibt, diesen Posten auszufüllen. Man muss ein Pflichterfüller, ein Fanatiker der Bundesrepublik sein.

Komisch, dass gerade der ostdeutsche Pfaffe Gauck so ein Fanatiker ist. Wie konnte er sich die bundesdeutschen Überzeugungen so schnell zu eigen machen? Die Antwort ist, die Sorte ist so. Man muss sie nur an den richtigen Platz stecken. Eigentlich nichteinmal das. Man muss ihnen den richtigen Platz nur in Aussicht stellen. Das genügt. Dann ist nichts vor ihrem heiligen Eifer sicher. Nichtmal sie selbst. Die Aufgabe des Fanatikers ist ja die Aufgabe seiner selbst. Er ist ganz Überzeugung. Das ist keine Deformatión professional. Nicht der Posten sucht und formt sich den Mann. Der fertige Mann sucht den Posten. Leider wurde die Behörde und mit ihr der Gauck-Posten geschaffen. Man kann getrost behaupten, eine Gesellschaftsordnung sei desto schlechter, je mehr Posten für solche Männer sie bereit stellt.

Folglich beängstigt, dass er nun zum Amt des Bundespräsidenten drängt. Sollte das auch ein Posten für Fanatiker und Gesinnungstäter sein? War nicht immer die Vorstellung beruhigend, das Amt des Bundespräsidenten sei nicht, ein Machtwort zu sprechen, sondern bestenfalls, ein Sprichwort zu machen? Gern schmunzelt man noch heute über Roman Herzogs Wort vom «Ruck», der durch Deutschland gehen müsse. Das war vor 13 Jahren und wirkt noch immer so anrührend naiv und unverbraucht, wie einst.

Ich fürchte, so harmlos wird es nicht bleiben. Nicht mit Gauck. Gauck wird das Amt des Bundespräsidenten brutalisieren. So wie Dieter Bohlen das Fernsehen für seine Zwecke brutalisiert. Bohlens Zwecke, das sind lediglich Geschäfte und Großmannssucht. Damit gäbe sich Gauck nicht zufrieden. Er würde aus dem betulichen Amt des Bundespräsidenten eine Kanzel des bundesdeutschen Mainstreams machen. Einen Panzer, einen Schützenturm des politisch Korrekten. Er hätte jeden Tag so unerträglich Recht bis seinen Zuhörern das Blut aus den Ohren stürzte. Er wüsste die Masse des linksliberalen Meinens hinter sich und schöpfte aus dieser Einbildung eine schreckliche Unbeirrbarkeit. Jeden Tag aufs Neue. Den Geist, den sie riefen, würden sie nicht wieder los. Und verfluchen werden sie den Tag, da sie dem schlafenden Eifer des Joachim Gauck ein neues Betätigungsfeld gaben.

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35 Gedanken zu “Joachim Gauck, dagegen!

  1. Ich halte Gauck auch für einen traumatisierten Verrückten, der sich seine Moral selbst macht. Ihre Schreibe ist sensationell gut, Ihre Ausführungen sind sehr tiefsinnig, und Ihr Sinn für Sprache inklusive verbaler Doppeldeutigkeiten (Aufgabe) macht Ihren Text lecker.

    Auf eines möchte ich Sie aber dennoch hinweisen: Es gibt zwei Sorten von Fanatikern: Die einen treten z.B. für Vernunft und Gerechtigkeit ein, und sind daher belehrbar, wenn hinreichende Argumente gebracht werden. Sie aber beziehen sich verallgemeinernd auf die vermutlich größere Anzahl von Fanatikern, die sich auf irgendwelche und oftmals auf selbstgemachte Dogmen stützen. Zwischen diesen beiden Sorten von Fanatikern muss man tatsächlich unbedingt unterscheiden.

    Sie sollten, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, ruhig öfter zu tagespolitischen Themen schreiben.

    • Tranquist schreibt:

      „Die einen treten z.B. für Vernunft und Gerechtigkeit ein, und sind daher belehrbar, wenn hinreichende Argumente gebracht werden“.

      Lieber Herr Sobottka,

      Meistens leider nicht. Diese kleine Gruppe von Zugänglichen ist wirklich zu vernachlässigen. Und auch, wenn ich Inna Effs Ausführungen für grundfalsch und aus politiktheoretischer Sicht (wie dargestellt) halte, ja es ist ihre Meinung und ausgezeichnet formuliert. Man ist nichts anderes gewöhnt …

  2. Ich kann Ihnen, liebe Ina, nicht mehr sagen, als daß Ihnen damit praktisch Wulff in den Schoß fallen würde. In der Politik, meistens sogar in der Personalpolitik ist nicht selten zwischen Übeln zu entscheiden. Hier: Wulff, Gauck, Jochimsen. Und wenn Sie also meinen „War nicht immer die Vorstellung beruhigend, das Amt des Bundespräsidenten sei nicht, ein Machtwort zu sprechen, sondern bestenfalls, ein Sprichwort zu machen“, dann irren Sie, und zwar gewaltig. Der Bundespräsident, liebe Ina, hat nach Innen Macht. Und da mögen Sie den „Moralapostel“ oder Rechthaber Gauck verteufeln, ihn nicht mögen – wohlan, aber Gauck ist von den dargebotenen der Ungefährlichste. Das Neue an ihm ist nur, daß er laut und ungefährlich ist und man müßte sich die Frage stellen lassen, was da der Unterschied zum Bisherigen ist. Und auch ein Bohlen verschwindet wieder. Stellen Sie sich einmal Lukrezia Jochimsen vor, die den lieben langen Tag linke Ideologie zum öffentlichen Gegenstand machen müßte, weil Gysi es ihr eintrichterte. Oder Wulff, dessen militarisierte Unions-Männerarmee im Hintergrund wie Urfin und seine Holzsoldaten die Scharniere fürs Standbein ölt. Und da, teuerste Ina, wähle ich mir – noch bevor irgendein Wahlmensch seinen Arm überlegt für das Gute heben könnte – den zweifellos Ignorierbaren, den ich „nur höre“ – wenn er schon gewählt werden muß.

    • Bester Herr Tranquist,
      leider war Ihr Kommentar von meiner Website in den Spam-Ordner sortiert worden; es gibt eben, das ist der Beweis, nach wie vor keine künstliche Intelligenz. (Wenn Maschinen intelligent würden, hörten sie auf, Maschinen zu sein.)

      Weil ich als gute Hausfrau immer mal meditierend in den Müll starre, habe ich Ihren Kommentar nun doch gefunden. Sie sagen, wenn es Gauck nicht würde, nähme ich Wulff in Kauf.

      Na und? Ich habe nichts gegen Wulff. Ich kenne ihn ja gar nicht. Folglich habe ich auch nichts für ihn. Aber ich schliesse aus der Tatsache, dass er schon zig Jahre Berufspolitiker ist, und mir trotzdem noch nie ins Auge stach, dass er wie geschaffen für das Amt des Bundespräsidenten sein muss. Dort mag er mit seiner medialen Abwesenheit gern fortfahren.

      Es ist ja wirklich stark augenfällig. Der Wulff wird Kandidat und man weiss immer noch nichts von ihm. Man hört nix, man sieht nix, man fühlt sich ganz in Ruhe gelassen. Ganz anders Gauck. Kaum taucht er auf, füllt er auch schon die Medien. Salbadert hier, zeigt seine dritten dort und kommt plötzlich in tausend kleinen Filmchen im Internet vor. Von Rechts wegen fiele er unter das Anti-Spam-Gesetz (um den Bogen in dieser Antwort mal kunstvoll rund zu biegen).

      Gauck, wie alle Eiferer, nervt. Und, wie alle Eiferer, ist er gefährlich. Kann sein, Wulff ist auch gefährlich. Vielleicht ist Gauck der Haifisch mit den Zähnen und Wulff Mackie the Knife. Aber ich weiss nicht. Irgendwie fand ich Mackie auch immer weniger furchteinflössend, als den weissen Hai.

      • Tranquist schreibt:

        Liebe Ina,

        es belohnt Sie natürlich, daß Ihr Kommentar direkt hier und nicht im Müll angekommen ist. Nun ja, die künstliche Intelligenz eben. Sie ignorieren unablässig meinen Einwand mit Ihrer zweifellos witzigen aber eben falschen (weiteren) Annahme, daß der Bundespräsident ein Amt ohne öffentliche Kenntnis innehabe, was auch so bleiben müsse bzw. die Öffentlichkeit dieses Amtes derart nichtssagend ist, so daß sie auch nach innen keinerlei Einfluß hätte. Tausende Journalisten, Bürger – schlicht: Menschen aller (sagt man?) Farben wünschen sich diese Mittelmäßigkeit. Vielleicht hilft Ihnen bei dem brisanten Mix vom Wunsch zur Unnötigkeit das hier weiter:

        http://www.bwl2.uni-bonn.de/mitarbeiter/prof.-dr.-matthias-kraekel-1/mediocracy.pdf ?

        Nun will ich nicht bestreiten, daß generell jede Politik eher dazu dienen sollte, nur in Ruhe zu lassen und auch gerade die Zeichen nicht die sind, die eine Veränderung begünstigen würden. Aber Gauck, da teile ich Ihre Befürchtung, ist vielleicht etwas gefährlich, aber wenigstens nicht stark.

        Ihr C.T.

  3. O Madame, Tagespolitik in Ihrem Refugium! Ich bin ja überrascht. Aber Sie haben schon recht: Manchmal muß man die Gaukler treten, um sie sich wenigstens geistig vom Leibe zu halten.

    • Hmm, ja, nun. Das ist mir jetzt unangenehm, dass Sie mich erwischen, wie ich mich mit Tagespolitischem bemüssige. Sie sehen ja, wie substanzlos das alles ist. Wenigstens muss ich mir nicht vorwerfen lassen, ich hätte Fakten oder Zusammenhänge missbraucht, um einer blossen Stimmung den Anstrich einer echten Kritik zu geben. Es ist eben eine Polemik. Die sagt lediglich, dass mir der Gauck nicht passt.

      Er passt mir einfach nicht. Ich finde Menschen, die sich wichtig nehmen, weil sie vertreten, was an der politischen Tagesordnung ist, physisch unangenehm. Ihr Schweiss riecht nach Pflicht, aber nicht im heiter-resignierenden Sinne, sondern im fanatisch-tödlichen. Mit solchen Leuten lässt sich die hässliche Seite des Staates machen.

      Aber gut. Das sagte ich schon. Ich bin ja schon ruhig. Im Grunde spielt es keine Rolle, Wulff oder Gauck. Wulff hätte den Vorteil, dass er einfach zu der Belanglosigkeit des Amtes passt, das er ausfüllen würde. Aber am Ende kann das auch Gauck: Belanglos sein. Wenigstens das traue ich ihm zu.

  4. Es gibt eigentlich nur drei Haltungen, die man zu den Fragen unserer Zeit einnehmen kann: die reife, die eifernde und die geifernde. Gewöhnlich üben wir uns in der ersten, weil wir die zweite verabscheuen und die dritte zu meiden suchen. Aber manchmal wird die zweite uns so zudringlich, daß wir in die dritte fallen müssen, um uns die erste erhalten zu können. Joachim Gauck, will ich sagen, ist wirklich eine äußerste Herausforderung an unser Gemüt, sich in Ruhe und Gelassenheit zu üben, und man kann es keinem vorwerfen, wenn er im Angesicht dieses Zeitgeistdealers und Berufsverleumders selbst mal ein bißchen zum Giftzwerg wird.

    • Ich erschauere!, wie tief Sie mich doch verstehen. Wären alle Männer einfühlsam wie Sie, es brächen paradiesische Zeiten an. Glücklicherweise lassen uns Gauck et al. noch ein paar Gründe, sich zickig zu betragen.

      • Ach, das ist doch keine Empathie, sondern wirklich aus der eigenen Erfahrung geholt. Mein Eskapismus ist ja keine Attitüde, sondern einfach eine Methode, mir das Geschnatter vom Leibe zu halten. Ich handle von denselben Grundfragen, aber ich behandle die auf einem Niveau, das wie ein Filter gegen Zeitgeisttröten wirkt, und wenn ich dann doch mal schwach werde, dann merke ich gleich wieder, was ich die ganze Zeit richtig gemacht habe. Angesichts unserer jüngeren Erfahrungen wage ich vorauszusagen, daß Sie nie wieder über Gauck und ich nie wieder über Fußball schreiben werde.

  5. Pingback: Joachim Gauck, dagegen! « 63mg

  6. So nachdenkenswert Ihre Nachdenklichkeiten sind, so stört mich doch eines: daß Wulff Sie nicht stört. Gauck ist immerhin lediglich protestantischer Priester, wenn auch ein politisch Gewichtender. Wulff aber gehört – als amtierender führender Politiker – zum Umfeld der Evangelikalen. Das schreckt mich (noch) mehr als diese Gauckelei. Ich halte keinen der beiden für geeignet. Eher schwebte mir einer wie Gustav Heinemann vor, nicht nur, weil sein «Sprichwort» in die Geschichte eingegangen ist: Er liebe seine Frau, nicht sein Vaterland. Das zündete bei mir. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Längst geht es wieder darum, an einem bestimmten Wesen zu genesen, führende Nation sein zu wollen, nicht nur ballspielerisch, sondern auch (wirtschafts-)politisch und überhaupt. Sicher würde Gauck «die Masse» hinter sich haben, vermutlich, weil er als Pfarrer ihr Gewissen beruhigt. Aber doch wohl kaum die eines «linksliberalen Meinens». Denn daß das in der Bundesrepublik Deutschland existiert, daran habe ich doch erhebliche Zweifel. Sonst hätte man sich doch eher jemanden wie Gerhart Baum ausgekuckt.

  7. Super geschrieben und hochgradig treffend.

    Dieser Gauck hatte für mich die Linie überschritten als er den Linken die Regierungsfähigkeit (Demokratiefähigkeit?) absprach, nicht weil ich die Linken so klasse finde (schon pervers dass ich mich gezwungen fühle mich zu distanzieren, die Meinungsmache klappt also), sondern einfach weil es einen Bundespräsident, auch einen eventuell zukünftigen nichts angeht.

    Es soll eben kein „Ersatzkaiser“ gewählt werden und der Herr Gauck legt schon vor der Wahl ein Gebaren an den Tag welches zumindest mich tatsächlich an einen verkappten Blaublüter erinnert.

    Wulff wäre imho weitaus ungefählicher für unser Land.

    Aber der geistige Mittelstand sucht in der Not gerne die Nähe eines starken Führers.

  8. Samuel von Reiflingen schreibt:

    Sie deutscher Demokrat, der noch noch nicht mal ein Bedürfnis hat die Linkspartei einfach pervers zu finden und statt dessen sich als Vollopfer (einmal Mitleid für den Nuttenpapst: Ooooooch, wie traurig!) einer vom Übervater Gauck geplanten Meinungmache gibt, gehen bitte ins Oderbruch zum Sandschippen für Deutschland, bevor sie zum geistigen Mittelstand avancieren.

  9. @ Die Herren Stubenzweig & Tranquist:

    Weil Sie nun beide den selben Zeigefinger heben, antworte ich Ihnen gemeinsam. Der Wulff!, warnen Sie beide, Obacht!, der Wulff! Der Wulff, widersprechen Sie mir, sei gefährlicher als der Gauck. Weil er mächtiger sei, weil er ein Parteisoldat sei, weil er ein Evangelikaler sei. Gauck sei laut, aber Wulff, nun eben: Der böse Wulff.

    Also: Mir machen Sie keine Angst. Ich kann dazu im Grunde wenig sagen, weil ich ja vom Wulff nix weiss. Aber ich glaube Ihnen nicht, dass er gefährlicher sei, als Gauck.

    Vielleicht haben Sie ja trotzdem recht. Aber was sollte ich in diesem Fall Ihrer Meinung nach tun? Für Gauck sein? Widerrrufen? Einen gnauso hart gesottenen Psalter gegen Wulff schreiben? Wulff solange studieren, bis ich ihn fundiert gegen Gauck abwägen kann?

    Ich sach Ihnen was. Ich muss ja nicht wählen. (Ich würde auch nicht wollen. Warum soll ich mich bemüssigen, jemanden zu wählen, der meine Interessen gar nicht vertreten kann?) Das Wählen übernimmt also gottseidank die Bundesversammlung. Ich gebe hier nur einer Stimmung Ausdruck, der nämlich, dass mir Gauck nicht passt. Sollte Wulff mir eines Tages auch nicht passen, werde ich Ton geben. Versprochen. Einstweilen ist er mir egal.

    Ich schätze, er wird es halten, wie die anderen Bundespräsidenten vor ihm. Er wird alle paar Monate vors Schloss Bellevue treten, was sagen, und wieder reingehen. Früher nannte man das einen „Portier“. Vermutlich ist das der Fortschritt. Ich habe mich eh schon gefragt, wo der bleibt.

    Ernsthaft: Was können Sie denn Substantielles gegen Wulff bringen? Ich meine, ausser, dass er „im Umfeld der Evangelikalen“ (Stubenzweig) zu finden wäre und dann „Einfluss auf die Öffentlichkeit nähme“ (Tranquist)? Hören Sie, das ist doch alles sehr ungenau.

    Immerhin, Sie bringen eine Frage: Wie müsste denn ein akzeptabler Bundespräsident beschaffen sein? Nehmen wir sein absurdes Amt einmal als gegeben. Also, ich würde Loriot vorschlagen. Wäre er nicht so alt, würde ich diesen Vorschlag in aller Ernsthaftigkeit hier affichieren. Aber daran sieht man, wie ich mir so einen Bundespräsidenten vorstelle: Witzig, weise, unterhaltsam, integrativ. Oder nehmen Sie Dieter Hildebrandt. Es ist ja ein Show-Amt. Dafür benötigt man keinen Politiker. Es muss ein kluger, mittelscharfer Kommentator seiner Zeit sein. Einer, der die Dinge auf den Begriff bringen kann und ihnen eine Pointe abnötigt. Kommen Sie mir jetzt nicht mit Harald Schmidt! – Ach, kommen Sie mir doch, mit wem Sie wollen! Nur Gauck sollte er um Himmels Willen nicht heissen.

    • Tranquist schreibt:

      Widerrufen Sie! Ja!
      Mit Hildebrandt und Loriot meinen Sie die Frühen. Haha. Wer sollte die heute noch aushalten. Man könnte ebenso den Papst einbinden, wenn man fahrende Throne braucht.
      Doch, ja, widerrufen Sie einfach und Sie sind frei!

      Ihr C.T.

  10. Pingback: Quick & Dirty « monstropolis

  11. @ Mediocracy.

    Lieber Herr Tranquist,
    das Mediocracy-Paper kurz überflogen. Ich paraphrasiere, was ich glaube, verstanden zu haben. Im Grunde sagt es, dass Leute die gar nichts machen auch weniger falsch machen können und also in einer Umgebung, in der Fehler eher bestraft, als Bemühungen belohnt werden, einen Vorteil haben. In solchen Umgebungen würden die Nichts-, bzw. Wenig-Tuer (also die Mediokren) über kurz oder lang Oberhand gewinnen.

    Das ganze ist, soweit ich sehe, spieltheoretisch hergeleitet, was ich immer ein bisschen problematisch finde. Spieltheorie kann manchmal dazu genutzt werden, komplexe Entscheidungssituationen zu vereinfachen. Zum beantworten von „wie“- oder „was“-Fragen ist sie nützlich. Aber zum Beantworten von „warum“-Fragen ist sie m.E. ungeeignet. Man steckt ja stets, was man zeigen will, schon in die Spielregeln, bzw. die Payoff-Matrix. Man lernt im besten Fall etwas über die getroffenen Annahmen und die vereinbarten Regeln, d.i. über sein Modell. Nicht lernt oder versteht man, warum z.B. die Gessellschaft so ist, wie sie ist.

    Wenn man wissen will, warum die Mittelmässigen und Blassen allezeit das Sagen haben, muss man andere Methoden bemühen. Im Grunde muss man zunächst einmal die Frage einer gewissen Kritik unterziehen, weil sie ja nicht allein auf Erkenntnis abzielt, sondern eine starke normative Absicht enthält. Sie will nicht nur beschreiben, sie will auch urteilen. Ich habe nichts dagegen, zu urteilen (es geht ja das urteilen gar nicht aus dem Denken zu halten), aber man soll nicht allein wissen wollen, was man wissen will, sondern auch, warum man es wissen will.

    • Tranquist schreibt:

      Sie hätten jede Art von Theorie mißschätzt, um über Mittelmäßigkeit als Urteil zu befinden „aber man soll nicht allein wissen wollen, was man wissen will, sondern auch, warum man es wissen will.“ und meinen, mit dieser Voraussetzung die Invasion der inkompetenten Kompetenz aburteilen zu können. Vom Bundespräsidenten erwarten Sie, daß er Sie gefälligst unangetrieben lasse – vom Bürger (wer auch immer das ist) erwarten Sie hingegen, er solle seine Ruhe aufgeben. Das können Sie auch Hobbes’sch betrachten – lassen Sie den Tschlander ruhig weiter schlafen. S ist besser so. Und Gauck, das schwöre ich Ihnen, wird Sie nur beschäftigen, weil er den Michel im Schlafe hält. Lieber den Salbadernden als den Möchtegerndaddy mit einer aufgesetzt zurückhaltenden Fst. Lady, der Spielecken im Bundespräsidialamt für so wichtig nimmt, weil „Kinderlärm der Lärm der Zukunft“ sei.

      Vertrauen Sie auf Gauckens innere Stimme, ein Feind der Diktatur sein zu wollen. Passt scho‘.

      Ihr C.T.

  12. Je gefährlicher und schlimmer für Deutschland, desto harmloser also nach Außen hin und umso besser für die restliche Welt. Ein Verkehrsknotenpunkt des allgemeinen Parteipolitik-Opportunismus wie Wulff dürfte also die diesem Staate schädlichste und somit begrüßenswerteste Figur auf diesem Posten sein, da gebe ich Frau Eff recht, auch wenn ihr Text dazu ein bißchen zu klebrig, und überhaupt überflüssig ist.

    Und dass man sofort den irrelevanten, niederen Abschaum in der Kommentarspalte hat, wenn man sich einmal auf das Feld der ebenso irrelevanten Tagespolitik begibt, kenne ich leider auch.

    Aber auch der Mob zieht wieder weiter, und zur Not hat man ja Fliegenklatschen.

    PS: Loriot ist die Pest.

    • Neffe, altes Haus! Lange nichts von Dir gehört. War das schön!

      Ja, Du hast recht, der Artikel ist überflüssig. Und klebrig. Deswegen musste er ja raus. Niemand hält mit dem Überflüssigen & Klebrigen gern an sich.

      Für Loriot streite ich. Du hasst ihn nur, weil er so schrecklich konsensfähig ist. Aber dafür kann er ja nichts. Genauso, wie es welche gibt, die einen Menschen grundlos hassen, gibt es welche, die ihn grundlos lieben. Das grundlose Fühlen ist in Deutschland stark verbreitet. Dem armen Loriot ist einfach widerfahren, dass die Deutschen ihn ganz unmotiviert lieben. Wenn was die Pest ist, dann diese Zuneigung. Das Gemeine ist, Loriot muss damit klar kommen, und nicht Du.

  13. OMG! Dritter Wahlgang! OMFG! Is mir schlecht. Sich beim Wahlvolk anbiedern, indem man Gauck wählt, boah, widerlich. WI-DER-LICH.

    Politiker. Kriecherische Sklaven ihrer eigenen Macht.

    Ich kenne nichts Ärmeres unter der Sonn als Euch, Götter!

  14. Liebe Ina Eff, einem Detail Ihrer Ausführung muss widersprechen: Die Gauck-Behörde war (bzw. ist – als Birthler-Behörde) mitnichten eine Instrument anti-ostdeutscher Sieger-Politik, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass da irgendwelche Vergeltung geübt worden wäre. Sie ist es nur insofern wie die alliierte Siegerpolitik nach 1945: Eine große Unter-denTeppisch-Kehrmaschine, mit deren Hilfe wir an den Gedenktagen (und gern durch Gaucks Mund) Krokodilstränen über das Stasi-Regime weinen dürfen, während die wirklichen Stasis längst per BStU in den neuen Staat integriert wurden.

  15. Pingback: Mondschein: Farben mischen

    • Rapoport scheint G“tt & die Welt zu kennen. (Eher aber, wie er mir im Vertrauen sagte, die Welt.) Ich werde also, wie es scheint, mit Blogrollen-Ausschluß belegt, weil der Bartels-Kumpanei verdächtig. Dabei gehen zwischen Bartels und mich *einige* Blätter! (Wir bevorzugen A4-Manuskriptseiten, 10pt Cambria, 1.5zeilig.)

      Blogrollen-Ausschluss! Man stelle sich vor, die Sorte Verbannung hätte es bereits zu Stalins Zeiten gegeben. Wahrscheinlich wäre die transsibirische Eisenbahn nie gebaut worden!

      • Ich habe mich ja schon beruhigt. Ist alles halb so schlimm. Den Lyzi finde ich nur noch einfach närrisch, seitdem ich bei ihm gelesen habe, daß nicht gegenstandpunkt.com sondern der Fernsehkanal VIVA kommunistische Propaganda betreibt, weil der die Simpsons und Lady Gaga ausstrahlt. … und Bartels, naja…

        Gauck halte ich nicht für das Idol der Linksliberalen sondern für den fanatischen Antikommunisten, militanten Kapitalismusanbeter, jemanden, der Hartz-IV-Empfänger, Einwandererkinder und alleinerziehende Mütter dafür haßt, weil der Kapitalismus denen nicht gut bekommt, und der in ihnen daher nichts als verkappte Kommunisten sieht.

      • Ina an die Welt: „Dabei gehen zwischen Bartels und mich *einige* Blätter!“

        Ina an Bartels: „Ich hätte es scheiße nochmal nicht besser schreiben können.“

  16. Pingback: Kein Wort über Gauck! » Neuestes vom Parnassos

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