Bekenntnisse

Imo, zum Ende Ihrer drei Leben

Trauerrede für Ingeborg Syllm-Rapoport, gehalten am 12. Mai 2017 auf dem Berliner Friedhof „Pankow III“

Zahlen kann ich mir besser merken, als Namen. Früher, als man Telephonnummern noch nicht im Handy speichern konnte, war das nützlich. Heute ist es ein verkümmertes Talent für das ich keine Verwendung mehr habe. Von allen Nummern, die ich einst wusste, kenne ich nurmehr eine: 4 7 7 4 3 6 6, die Nummer unserer Imo. Und nun ist auch diese Nummer nutzlos geworden. Ich brauche sie nicht mehr; niemand wird sie je noch brauchen. Unsere Imo ist gestorben.

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Arbeit, Nachdenklichkeiten, Welterklärungen, Zehnte Klasse Leistungsstufe

Bewerbungen und andere verpasste Chancen: Über die Messbarkeit von Qualitäten.

Geleit

Lieber Leser,

der folgende Aufsatz handelt vordergründig von Bewerbungen. Tatsächlich ist er jedoch nur als erster einer Reihe von Aufsätzen konzipiert, in denen ich einige bemerkenswerte Zusammenhänge zwischen Arbeit und Lebenssinn an Tag bringen möchte. „Bemerkenswert“ nenne ich diese Zusammenhänge, weil sie zwar im Wortsinn „des Bemerkens wert“ sind und dann aber meistenteils unbemerkt bleiben, obwohl sie sich direkt vor unseren Augen abspielen. Der Aufsatz über Bewerbungen ist als Einstieg in das Thema gedacht. Tatsächlich soll das Bewerbungsproblem, so ernst es mitunter ist, nur Anlass sein, um zu tiefer liegenden Fragen vorzudringen. Als da fast von selbst sich stellen: Ob man Qualität messen kann? Warum manche Menschen Arbeit als Mittel zur Selbstverwirklichung ansehen, während andere sie als Geißel empfinden, die sie von der Selbstverwirklichung abhält? Will der Mensch arbeiten oder will er faulenzen? Kann Arbeit Lebenssinn stiften? Was geschieht mit Arbeit, wenn Maschinen und Computer sie verrichten; bleibt es Arbeit? Machen wir uns überflüssig? Wenn der Großteil der Menschheit in absehbarer Zeit zur Wertschöpfung nicht mehr benötigt wird, wie soll er leben und wovon? Und letztlich immer wieder: Was ist Arbeit eigentlich? —

Dieser Aufsatz ist in einer dreigeteilten Vorabversion schon bei den Kolumnisten veröffentlicht worden. Die vorliegende Fassung wurde besonders in den letzten Kapiteln überarbeitet, um die zugrunde liegenden philosophischen Gedanken etwas deutlicher heraus zu arbeiten. Mein Dank gilt meinem Freund und Hirnteiler Felix Bartels.

Bewerbungen und andere verpasste Chancen: Über die Messbarkeit von Qualitäten.

Peter Beurton gewidmet

Wenn…

Sprache, brech ich einmal los, Sprache ist das Fieberthermometer der Gesellschaft. Sprachgnostiker wie Karl Kraus oder Victor Klemperer hätten das gewiss schöner formuliert, aber den Gedanken selbst vermutlich nicht getadelt. Wo Sprache munter fließt und plätschert, wo sie schöpft und geschöpft wird, wo Wörter erlösen und erlöst werden, da mag wohl alles seine rechte Ordnung haben. Wo Sprache aber notorisch überhitzt oder unterkühlt, oder, fataler noch, beides zugleich ist, da zeigt sie eine weiche Stelle an, eine Maladheit der Gesellschaft und manchmal sogar eine Seuche. Die Fünfwortsprache der Millitärs beispielsweise; oder offizielle Sprachregelungen, wie die gegenwärtigen Streits um Vokabeln wie „Völkermord“ oder „Unrechtsstaat“; das chronisch zur Hysterie überhitzte Zeitungsdeutsch; manch ein elend wortkarger Soziolekt — das sind so Fieberflecken der Sprache, die man kennt. Da offenbaren sich am Sprachgebrauch tiefer liegende Konflikte; da entdeckt sich in Tonfall, Vokabular und Diktion eine Irrheit, eine Deformation, eine Schwachheit der Gesellschaft. Von so einer Stelle will ich handeln. Von einer Stelle mit gleichzeitig entzündetem und verkühltem Sprachgebrauch; einer Stelle, an der Eintönigkeit und Häßlichkeit des Vokabulars unbedingt auf tiefer liegendes verweisen; einer Stelle, der ich in den letzten Jahren immer wieder begegnet bin. Die Rede geht von Bewerbungs- und Empfehlungsschreiben.

Wenn wahr ist, dass Bewerbungs- und Empfehlungsschreiben die Vorzüge eines Menschen unterstreichen sollen (wo nicht sogar ein bisschen erfinden dürfen); und ferner wahr, dass die Vokabeln und Sätze der Bewerbungs- und Empfehlungsbriefe zu eben diesem Behuf mit Bedacht und Sorgfalt, ja nachgerade unter schweren Formulierungsmühen gewählt werden; wenn also in derlei Schaffensfrüchten die besten Kräfte darauf gewandt werden, die besten Seiten eines Menschen auf die beste Weise zu hervorzukehren, dann… ja, dann Stirbwohl, dann gute Nacht, dann Licht aus & Klappe zu; dann trägt das Abendland seinen Namen ganz zu recht, dann sind in ihm nur tumbe Nachtjacken und keine Hoffnung, dann ist der Untergang besiegelt und das Elend unermesslich.

…Dann

Dann wären wir umgeben von phrasenbleichen, mißschaffenen Geschöpfen, die ein hohltönendes Leistungssprech absonderten; dann hausten hierorts nur noch bestürzend unsympatische und dabei gleichförmige Masken, die mit hölzerner Sprache von ihrer seelischen Ödnis kündeten; Menschenlarven, in denen kein Funken Leidenschaft oder Lebensmut glömme; die sich „von Klein auf begeistert“ haben, „motiviert“ sind, ihre künftige Arbeitsstelle „spannend“ finden und so weiter. Und empfohlen würden diese armen Kreaturen durch ebenso kraftlose Zeilen, in denen beurkundet wird, sie hätten sich „stets zur vollsten Zufriedenheit“ und zwar bei „Kollegen und Vorgesetzten gleichermassen“ und man könne sich bei weiteren Fragen _„gern wenden“_… — Und wie ich wende!, nämlich das Blatt und mich und vor allem mit Grausen! —

Jedes Elend hat seinen Grund und so auch dieses. An der Oberfläche ist es eben der Arbeitsmarkt mit seinen Gepflogenheiten und seiner eigentümlichen Sprechart. Man solle, heißt es, das Bewerbungsdeutsch als eine Art Latein ansehen; als eine Chiffre, etwa für die Kopfnoten des Zeugnisses (Fleiss, Disziplin, Ordnung & Mitarbeit). — „Kopfnoten“ ist gut! Wenig kam mir je so kopfverächtend, wo nicht kopfverderbend vor, wie diese vier apokalyptischen Noten.

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Glossen, Nachdenklichkeiten

1 Innovateur, 2 Afterwelt

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Freunde, ich greif jetzt mal tief in die Trickkiste der hinkenden Vergleiche: Wisst ihr eigentlich, was ein Eiweiss ist? So ungefähr bestimmt: In der Regel nämlich ein sehr großes Molekül, das in Zellen hergestellt und, sobald fertig, an einen bestimmten Ort transportiert wird, wo es dann eine biologische Funktion erfüllt. Handelt es sich bei dieser Funktion um eine chemische Reaktionen, nennt man das Eiweiss auch Enzym. Jedes Enzym hinwieder besitzt eine Stelle, die in informierten Kreisen das „reaktive Zentrum“ geheissen wird und an welcher die chemische Reaktion stattfindet, deren Bewerkstelligung Funktion eben dieses Enzyms ist.

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Welterklärungen, Zehnte Klasse Leistungsstufe

Verblödung durch Drüberreden. Anmerkungen, Rechtfertigungen, Weiterungen.

Mich ereilte Kritik.

Mich ereilte Kritik. Ein Glück! Sonst wäre der Aufsatz jetzt zu Ende und ich müsste die Spülmaschine ausräumen. So kann ich das Geschirr leise rotten lassen und weiter schreiben. Das Ende ist das schönste Ende, nach dem es immer weiter geht. Ich bitte dann, selbstredend, um Kritik zur Kritik!

Na gut. Im Folgenden soll ein paar Einwänden entgegnet, einige Verdeutlichungen vorgenommen, einige Implikationen ausgeführt werden. Das Ganze soll nicht aus den Nähten platzen, aber doch im Mindesten drei Punkte verklaren: Erstens, die Frage, ob Stereotype vielleicht aus thesenökonomischen Gründen gebildet werden. Zweitens möchte ich den Einwand entkräften, meine Ideen würden allzusehr Handeln gegen Wahrnehmen setzen. Und drittens will ich ein paar heikle philosophische Implikationen der Idee skizzieren, dass Reden stets auch Sozialisationshandlung sei.

Sind Stereotype thesenökonomisch sinnvoll?

Mein Freund Erhardt Barth ist ein kluger Mann und ein KI-Forscher. KI bedeutet künstliche Intelligenz. Er hat einen guten Einwand gebracht; ob es ein Einwand ist oder eine Weiterung soll im folgenden untersucht werden.

Erhardt wandte mir ein, dass Stereotype durchaus sinnvolle Wirklichkeitsmodelle sein können, wenn man sich nämlich gezwungen findet, aus den Erfahrungen weniger Einzelfälle eine Hypothese abzuleiten.

Nehmen wir einmal an, unser Hirn wäre eine Art Problemlösemaschine, deren Funktion (zumindest zum Teil) darin bestünde, Hypothesen über die Wirklichkeit herzustellen. Diese Hypothesen sollen der Bewältigung der Wirklichkeit dergestalt dienen, dass mit ihrer Hilfe halbwegs verlässliche Aussagen über künftig eintretende Szenarien möglich würden. (Nichts anderes ist eine Hypothese, als eine Funktion, die von einer endlichen Anzahl an Beispielereignissen auf weitere (im besten Fall alle) Ereignisse der selben Kategorie extrapoliert.)

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Leistungsstufe, Nachdenklichkeiten, Welterklärungen

Verblödung durch Drüberreden — Hämophektiken des Stereotypverfertigens

Teil 1 : Wie aus Vielfalt Einfalt wird.

Rassismus ist ja eine Form von Dummheit. Soll jetzt mal kein Urteil sein, sondern eine Feststellung. Denn unzweifelhaft zeugt von Einfalt, alle Übel der Welt einer bestimmten Sorte Mensch anzulasten. Das wunderbare Wort „Einfalt“ faßt den ganzen Unsinn wie kein anderes: Die mannigfachen Ursachen des sich-so-Zutragens unserer Geschichte werden durch den Rassisten in eine einzige gefaltet: Der Jude wars, oder der Kanake, der Neger, der Muselmann.

Gewiss, es gibt Abstufungen der Schuldzuweisungen. Also etwa, dass der Kanake nur Schuld auf sich lädt, wenn er in unser Land kommt, während der Jude auch dann Schuld hat, wenn er bleibt, wo er ist. Oder der Muselmann, der schlimmer ist als der Neger, weil er vorsätzlich brandschatzt und mordet, während sich dieser durch abnorme Schnakselsucht inklusive Kinderindieweltsetzen eigentlich nur seiner dräuenden Altersarmut erwehren will. Und so weiter.

Schön blöd, das alles, nicht wahr? Wie aber kommt es dann, dass so viele Menschen anfällig für solche oder ähnliche Stereotype sind? Selbst kluge Menschen, selbst Leute mit ansonsten unbestechlichem Verstand? Selbst Leute, die vielleicht täglich ganz normalen Umgang mit Juden oder Türken pflegen?

Am Grunde des Durchschauens rassistischer Stereotype nämlich verbleibt eine Frage, die meines Erachtens immer noch ungelöst ist. Sie lautet: Wie kommt es zu der seltsam vereinheitlichten Wahrnehmung einer gemischten Gruppe von Menschen durch eine gemischte Gruppe von Menschen? Welcher Mechanismus bewirkt, dass aus Vielfalt Einfalt wird?

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Splitter

November 89: Warum hatte der Slogan „keine sozialistischen Experimente“ Erfolg?

(Den folgenden Text habe ich am 9.11.2015 in nt Halle anlässlich einer Podiumsdiskussion zum Mauerfall vor 26 Jahren vorgetragen. Die Diskussion diente der Vorstellung des Buches „War das die Wende, die wir wollten„? Teilnehmend waren: Burga Kalinwoski (Journalistin), Matthias Brenner (Intendant), Peter-Michael Diestel (Anwalt) und Harald Jäger (Grenzer).)

Für mich (als Naturwissenschaftler) gibt es eine klare Verbindung zwischen „Experiment“ und „Leben“. Experimentieren, das heisst ergebnisoffenes Handeln in einer unterbestimmten Welt; das heisst, sich einlassen auf das Unbekannte; das heisst, aus Scheitern lernen wollen. (Nichts führt ja eher ins Scheitern, als krampfhaftes nicht-scheitern-wollen.) Dass Leben und Experimentieren als gesteuertes, rückgekoppeltes Handeln in komplexen Umfeldern sehr viel gemeinsam haben, geht zurück auf die Philosophen des Pragmatismus (da besonders auf John Dewey) und wurde in neuerer Zeit u.a. durch den französischen Philosophen George Canguilhem mit Blick auf die Naturwissenschaften besonders herausgearbeitet.

Ich bin so aufgewachsen. Deswegen war es für mich hochgradig irritierend und verblüffend, das Wort „Experiment“ plötzlich so negativ konnotiert zu finden. Es war (im Nachhinein) für mich die wahrscheinlich widersinnigste Erscheinung der Wende.

Noch Anfang November 89 waren 70-80% Prozent der Bevölkerung der DDR für einen „reformierten Sozialismus“ – also für ein Experiment. Und bereits Ende des selben Monats – unter dem Eindruck der Maueröffnung – war es vorbei damit. Im März wählte die Mehrheit CDU, mit dem Slogan „keine sozialistischen Experimente“. Für mich übersetzte sich dieser Slogan, wie gesagt, ungefähr zu: „Neugier beiseite, Leben einstellen!“

Und das absurdeste war ja: Die Menschen liessen sich mit der Wiedervereinigung auf die riskanteste Fortschreibungsmöglichkeit der Geschichte überhaupt ein. Das wird nur begreiflich durch den Mauerfall und das damit verbundene Geldsäcklklappern. Also das Vorführen des immensen Reichtums, in dessen Besitz man durch die Wiedervereinigung gelangen konnte.

Aber das ist nicht mein Punkt. Mein Punkt ist vielmehr, wie schlecht hierzulande (und offenbar auch in der DDR) das Experimentieren beleumundet war. Dass es überhaupt die wichtigste Art ist, den Fortschritt zu bewirken (was mir zu jener Zeit so selbstverständlich war, wie das Atmen), das war tatsächlich im Lande der Dichter und Denker gänzlich unbekannt. Ich möchte ein Beispiel einer solchen gedanklichen Leerstelle, bzw. Fehlleistung geben:

W. Biermann schrieb im Streit über C. Wolfs Aufruf „Für unser Land“: „Mit allerhand Altlinken im Westen ist darüber schlecht reden, denn sie sind bösartig verwirrt und sind stocksauer über das Ende des Tierversuchs DDR.“ (Die Zeit, August 1990)

Eigentlich will Biermann da gegen die Westlinken stänkern, die seiner Meinung nach eine romantische Vorstellung der DDR hätten. Das sei an dieser Stelle übergangen; von Westlinken weiss er mehr als ich. Wichtig ist mir die Tierversuch-Vokabel. Natürlich ist sie in polemischer Absicht gewählt. Aber denken Sie mal drüber nach: DDR = Tierversuch. Und ich lasse dem Biermann auch hingehen, dass er die Ossies zu Tieren macht. Er hats nicht so mit dem klaren Sichausdrücken, deswegen auch immer dieser kompensatorische Geltungsdrang.

Worauf es ankommt, ist die Absicht, den Fakt, dass die DDR ein Versuch – also ein Experiment – war, als etwas negatives hinzustellen. – Ja, was denn sonst? Gab es je eine Gesellschaft, die nicht als Versuch durchgeführt wurde? Was für eine absurde Idee von der Berechenbarkeit des Lebens! Was für eine romantische Sehnsucht nach Gewissheit! Gesellschaft ist immer wurschteln, scheitern, lernen, anders scheitern und so weiter. Es gibt sicher Grade des Scheiterns, aber es gibt keinen Fortschritt ohne Inkaufnahme von Rückschlägen. Das ist eine der Haupt—Absurditäten der Wende für mich. Dieses fortschreiten wollen, indem man den Fortschritt verteufelt.

Ich lese gerade ein Buch über die Entdeckung des Insulins. Also des Hormons, das wir benötigen um Zucker aus dem Blut in Zellen aufzunehmen. Sicher wissen Sie, dass man an Diabetes erkrankt, wenn der Körper zu wenig Insulin produziert. Früher war Diabetis ein Todesurteil. Man nannte es die Pisskrankheit, „pissing disease“. Man schied den Zucker über den Urin aus, pisste sich quasi zu Tode. Die Entdeckung des Insulins hat gerade mal zwei Jahre gedauert. In dieser Zeit haben die Hauptakteure – Frederick G. Banting und Charles H. Best – hunderte, wo nicht tausende Hunde zu Tode expediert. Das waren Tierversuche. Sie haben Millionen Menschen das Leben gerettet. Wahrscheinlich mehr Menschen, als der zweite Weltkrieg Tote forderte. Durch Versuch und Irrtum. Heute würde das selbe Forschungsprogramm auf keinen Fall bewilligt werden. Eintausend Hunde, so einen Tierversuchsantrag können sie vergessen. Kriegen sie nirgends durch. Höchstens scheibchenweise. Dann würde das selbe Forschungsprogramm vielleicht zwanzig Jahre dauern. In der Zwischenzeit wären Hunderttausende, wahrscheinlich Millionen an Diabetis gestorben. – Sicher muss das Ausufern von Tierversuchen verhindert werden. Vor allem im industriellen Sektor, also in der Pharma- und Kosmetikindustrie. Aber ist der Tierversuch deswegen per se diskreditiert? Ist das Experimentierenwollen – ich würde sogar sagen, das Experimentierenmüssen – deshalb bekämpfenswert?

Zurück zur Gesellschaft. Man kann sich sehr über die Modalitäten streiten, unter denen solche Versuche durchgeführt werden. Aber man kommt nie umhin, als Gesellschaft zu experimentieren und etwas zu riskieren. Die Angst darf nie sein, zu scheitern. Scheitern wird man immer mal. Scheitern – und siegen. Die Angst, wenn Angst überhaupt ein Leitmotiv sein sollte, muss sein, nichts probiert und nichts gewagt zu haben.


P.S.: Dem Urteil (das mich erreichte), sprachlich sei das nicht auf der Höhe, stattgegeben. Es ist in dieser Form auch nicht als ausformulierter Text entstanden, sondern als Redevorlage. Einfachere Sätze, Stichpunkte. Und als diese Kladde, als Dokument sozusagen, hier gepostet.

P.P.S.: Und auch dies sei zugegeben. Die Frage, warum der Slogan mit den Experimenten auf so fruchtbaren Boden fiel, wird nicht beantwortet. Es hat wohl etwas mit dem Unwillen zu tun, vom Subjekt der Geschichte zu ihrem Objekt degradiert zu werden. Denn das ist die heimliche Bedeutungsverschiebung. Der Slogan macht aus Experimentatoren Versuchstiere. Aber dennoch blöd, auf so einen plumpen rhetorischen Trick hereingefallen zu sein, nichtwahr? Wahrscheinlich ist das auch immer noch nicht alles.

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Irgendwas mit Stammzellen, Welterklärungen, Zehnte Klasse Leistungsstufe

Wie ich eine ZEISS-Caster baute.

Röntgenmikroskope zu Stromgitarren! Eine reich bebilderte Homestory.

And now for something completely different: Gitarre bauen kann sehr viel cooler sein, als Gitarre spielen. Besonders, wenn man, wie ich, eher mittelgut spielt. Dann flüchtet man gern mal in die Metaebenen der Virtuosität.

Die unterste Metaebene ist das Bescheidwissen über Gitarren. Wobei man dann wieder unterscheiden muss zwischen dem absichtsvoll verdummenden Geschwätz von Gazetten wie “Gitarre und Bass” etc, und den Wissenshalden, die in Werken wie Zollners “Physik der Elektrogitarre” zusammen getragen wurden.

Irgendwo zwischen der Unbedarftheit der Prospekt-Gläubigen und den kunstfernen Kenntnissen der Physiker liegt das Halbwissen der Hobby-Gitarrenbauer und Self-made-Technicians. Damit ist die Höhenlage dieser Homestory abgesteckt. Nicht die hohen Gippel sind das Ziel. Es wird ein Spaziergang durchs Mittelgebirge. Aber seinen Anfang nimmt unser Ausflug im Tal. Ich möchte, will das meinen, mit einer lang schon fälligen Stänkerey gegen Paula beginnen.

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